Deniz Yücel beschreibt in der taz vom 22.02.2012 über die Debatte um Gauck-Zitate
unter dem Titel „Gauck und der Holocaust„, daß sich der vielgepriesene Kontext eben nicht nur auf die Sätze vor und nach einem Zitat bezieht, sondern
„Wer sagt was in welcher Form an welcher Stelle zu welchem Zweck zu welchen Leuten, die ihn wie verstehen können oder sollen? „
Nach einem ausführlichen Zitat von Jaochim Gauck zur angeblich quasireligiösen Überhöhung des Holocausts, problematisiert und kontextualisiert Yücel die Aussagen Gaucks:
„Aber indem er von einer „Überhöhung“ des Holocausts zu einem quasireligiösen Akt spricht, spricht er der Shoah die Singularität als ebenso wahnhaften wie systematischen Massenmord an Millionen Juden ab. Einfach ausgedrückt lautet sein Gedankengang: Ja, es gab den Holocaust, wir wollen ihn nicht vergessen, aber bitteschön nicht übertreiben und die Kirche im mecklenburgischen Dorf lassen.
[…]
All das macht Gauck noch nicht zum Antisemiten, und gewiss wird er keiner sein wollen. In der Sache aber betreibt er eine Verharmlosung des Holocausts.“

