Über den Freiheitsbegriff von Joachim Gauck und dessen Anlehnung an Helmuth Plessner schreibt Christian Geyer in der F.A.Z. (20.02.2012) unter dem Titel “Bürgerliche Ermächtigung”, ausgehend von einem Interview, das Gauck dem dm-Kundenmagazin “alverde” im Januar 2012 gegeben hatte:

“… die Botschaft von Freiheit und Verantwortung -, sei heute eine neoliberale Ermächtigungsfloskel, eine Apologie des „Finanzkapitalismus“, wie Gesine Lötzsch gestern noch einmal erklärte.”

Unter dem Titel „Yes, we Gauck!?“ erinnerte Karl D. Bredthauer in einem Beitrag für die „Blätter für deutsche und internationale Politik“ bereits im Juli 2010 an ein Interview von Joachim Gauck mit Günter Gaus, in dem besonders die relativierende Geschichtsdeutung der „2 deutschen Diktaturen“ thematisiert wird:

“Joachim Gauck ist nicht irgendwer, kein Deus ex machina, kein unbeschriebenes Blatt. Als erster und prägender Chef der nach ihm salopp als „Gauck-Behörde“ bezeichneten mehrtausendköpfigen Bundesdienststelle wurde er zu einer Symbolfigur deutscher Geschichtspolitik. Er steht für eine „Vergangenheitsbewältigung“ spezifischer Prägung, sozusagen die vergangenheitspolitische Wende in Deutschland. Deren Zentrum bildet die Denkfigur von den „zwei Diktaturen“, welche die Bundesrepublik nach dem Untergang der DDR zu bewältigen habe. Die wie selbstverständlich daherkommende Formel hat es in sich. Inwiefern, das verdeutlicht in seltener Klarheit ein Gespräch, das „Blätter“-Mitherausgeber Günter Gaus 1991 im Rahmen seiner legendären „Porträt“-Serie mit dem damals gerade ein Jahr amtierenden „Bundesbeauftragten“ führte.
[…]
…wenn Gauck erklären möchte, warum die Verantwortlichen für „Leichenberge“ in seinen Augen nach 1945 schonender zu behandeln waren als 1989 ff. die Verantwortlichen für „Aktenberge“, wie sie „die zweite Diktatur“ ihren Nachlassverwaltern hinterließ. Hitler war, lässt der von Gaus Interviewte en passant einfließen, möglicherweise weniger schlimm als Stalin. …”

Unter dem Titel „Joachim Gaucks totalitäre Aufklärung“ macht Magda in ihrem Freitag-Blog 2010 einige Anmerkungen zu einem zu einem ausführlichen Interview von Joachim Gauck mit der NZZ im Mai 2010, „Es gibt ein richtiges Leben im falschen„.

„Vor allem aber ist Gauck ein anschaulicher Beweis dafür, dass die beiden Diktaturen nicht mit dem behaupteten gleichen Abstand betrachtet werden, sondern das ihre Gleichsetzung, der scheinbar objektive Umgang mit ihnen, immer eine merkwürdige Favorisierung und „Entschuldung“ der NS-Diktatur mit sich zu bringen scheint. So findet sich in Gaucks Parteinahme für ein deutsches Zentrum für Vertreibung auch der Satz von den Deutschen, die neurotisch auf der Größe ihrer Schuld beharren. Da hat er keinen Abstand, da ist er auch mehr für Vergessen.“ (Magda)

Die SZ veröffentlichte am 20.02.2012 einen Artikel unter dem Titel „Umstrittene Äußerungen über Occupy und Sarrazin – Was Gauck wirklich gesagt hat„, der leider viel indirekte Rede und Interpretation, aber wenig ausführliche, dafür viel verkürzte Zitate enthält. So dient der Artikel mehr einem (durchaus brauchbarem) Einstieg in die Diskussion als der intendierten Klarstellung.

Nicht zuletzt führt die Subsummierung der Gauck-Kritik und Gauck-Kritiker_innen in dem Beitrag von Kathrin Haimerl unter die angesprochenen Punkte und der ausgesuchten/ausgewählten Positionen zu Verkürzung und Reduktion, die andere Kritikpunkte ausschließt und die genannten einseitig deutet.

Peter-Michael Diestel (CDU) hat sich die Stasi-Unterlagen zu Joachim Gauck auch einmal angesehen und kommt zu einem völlig anderm Ergebnis als Gauck selbst:

„Herr Gauck kann nicht – jedenfalls nicht ausschließlich, wie er es tut – den Status eines „Betroffenen“ („Opfers“) für sich in Anspruch nehmen.
Übrigens schließt das StUG aus der „Betroffenen“-Kategorie „Begünstigte“ (folglich „Täter“) aus. Nach § 6 Abs. 6 StUG zählen zu den „Begünstigten“ auch Personen, die vom MfS wesentlich gefördert worden sind. Nicht nur sein vorgesehener IM-Einsatz klassifiziert Pastor Gauck mindestens als „Begünstigten“ im Sinne des StUG. Mithin ist Gauck nach diesem Gesetz der „Täter“-Seite zuzuordnen.“

Das war im Jahr 2000, unter dem Titel „Wendiger Pastor – Auf Wiedersehen, Herr Gauck“ hat er dazu einen interessanten Artikel im Freitag vom 28.04.2000 veröffentlicht. Nach gerichtlicher Auseinandersetzung ist dieser Artikel nicht widerlegt worden und steht nach wie vor im Raum.

Ist Joachim Gauck „ein Spalter und egoistischer Selbstdarsteller auf Schloss Bellevue“, wie Christian Sickendieck auf fixmbr.de titelt?

„Mit Gauck ist kein Staat für mehr Freiheits– und Bürgerrechte, gegen allumfassende Überwachung zu machen. Oder wie es ein Kommentar ausdrückt: Gauck hat eben mit der Wiedervereinigung die Seiten gewechselt.
Joachim Gauck ist charakterlich nicht im Ansatz in der Lage, das Amt des Bundespräsidenten auszufüllen — noch viel weniger als Christian Wulff. Wulff hat mit den Mächtigen gekuschelt und es mit der Wahrheit nicht ganz genau genommen und die nötige Distanz zu seinen vermögenden Bekannten vermissen lassen. Joachim Gauck würde dieses Land tief spalten — von anderen Dingen ganz zu schweigen. Da fragt man sich, was schlimmer für unser Land wäre.“

Sein Fazit: Joachim Gauck ist #notmypresident.

Gauck oder Gaukler?

Veröffentlicht: 20. Februar 2012 in Nein Danke
Schlagwörter:, , , ,

Volker Pispers über Joachim Gauck und Occupy-Proteste (18.10.2011)

Joachim Gauck: Linklisten und Co.

Veröffentlicht: 20. Februar 2012 in Nein Danke
Schlagwörter:, , ,

Im Netz gibt es ausreichend Seiten, die Links zu Joachim Gauck gesammelt haben, neben den Pro- und Contra-Seiten, z.B.:

Wie sozial oder antisozial ist Joachim Gauck, was hält er vom Sozialstaat, fragt sich Holdger Platta in einem Gastbeitrag im Spiegelfechter unter dem Titel „Kandidat der Herzen? Ein Theologe der Herzlosigkeit“ (18.02.2012), hierbei kommt er zu dem Fazit:

„Der „Kandidaten der Herzen“, wie Gauck 2010 gern von den Medien bezeichnet worden ist, ist also eher ein Theologe der Herzlosigkeit. Damit wäre er nicht unbedingt ein Mann der Reichen, – das also, was bei Christian Wulff in wachsendem Maße zutagegetreten ist -, mit Sicherheit aber ein Mann, der konsequent gegen die Ärmsten der Armen in diesem unserem Lande polemisiert.Unserem Land tut weder das eine noch das andere gut.“

Joachim Gauck, ein Spalter der Gesellschaft?

Veröffentlicht: 20. Februar 2012 in Nein Danke
Schlagwörter:, ,

Unter dem Titel „Gespalten statt versöhnt“ schreibt Daniela Dahn in der SZ:

„Er will bewahren, was ist: Warum man weder Anti-Aufklärer noch DDR-Nostalgiker sein muss, um den Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck abzulehnen.“
sueddeutsche.de 10.06.2010

In dem Beitrag wird fundiert beschrieben, wie Joachim Gauck spaltet und ausgrenzt, statt zu versöhnen. Warum ausgerechnet die SPD einen antisozialen Konservativen favorisiert, fragt dabei die Schriftstellerin und stellvertretende Vorsitzende des Willy-Brandt-Kreises e.V. Daniela Dahn.