Mit ‘diktatur’ getaggte Beiträge

Unter dem Titel „Yes, we Gauck!?“ erinnerte Karl D. Bredthauer in einem Beitrag für die „Blätter für deutsche und internationale Politik“ bereits im Juli 2010 an ein Interview von Joachim Gauck mit Günter Gaus, in dem besonders die relativierende Geschichtsdeutung der „2 deutschen Diktaturen“ thematisiert wird:

“Joachim Gauck ist nicht irgendwer, kein Deus ex machina, kein unbeschriebenes Blatt. Als erster und prägender Chef der nach ihm salopp als „Gauck-Behörde“ bezeichneten mehrtausendköpfigen Bundesdienststelle wurde er zu einer Symbolfigur deutscher Geschichtspolitik. Er steht für eine „Vergangenheitsbewältigung“ spezifischer Prägung, sozusagen die vergangenheitspolitische Wende in Deutschland. Deren Zentrum bildet die Denkfigur von den „zwei Diktaturen“, welche die Bundesrepublik nach dem Untergang der DDR zu bewältigen habe. Die wie selbstverständlich daherkommende Formel hat es in sich. Inwiefern, das verdeutlicht in seltener Klarheit ein Gespräch, das „Blätter“-Mitherausgeber Günter Gaus 1991 im Rahmen seiner legendären „Porträt“-Serie mit dem damals gerade ein Jahr amtierenden „Bundesbeauftragten“ führte.
[…]
…wenn Gauck erklären möchte, warum die Verantwortlichen für „Leichenberge“ in seinen Augen nach 1945 schonender zu behandeln waren als 1989 ff. die Verantwortlichen für „Aktenberge“, wie sie „die zweite Diktatur“ ihren Nachlassverwaltern hinterließ. Hitler war, lässt der von Gaus Interviewte en passant einfließen, möglicherweise weniger schlimm als Stalin. …”

Unter dem Titel „Joachim Gaucks totalitäre Aufklärung“ macht Magda in ihrem Freitag-Blog 2010 einige Anmerkungen zu einem zu einem ausführlichen Interview von Joachim Gauck mit der NZZ im Mai 2010, „Es gibt ein richtiges Leben im falschen„.

„Vor allem aber ist Gauck ein anschaulicher Beweis dafür, dass die beiden Diktaturen nicht mit dem behaupteten gleichen Abstand betrachtet werden, sondern das ihre Gleichsetzung, der scheinbar objektive Umgang mit ihnen, immer eine merkwürdige Favorisierung und „Entschuldung“ der NS-Diktatur mit sich zu bringen scheint. So findet sich in Gaucks Parteinahme für ein deutsches Zentrum für Vertreibung auch der Satz von den Deutschen, die neurotisch auf der Größe ihrer Schuld beharren. Da hat er keinen Abstand, da ist er auch mehr für Vergessen.“ (Magda)