Mit ‘freiheit’ getaggte Beiträge

In einem Interview vom 17.03.2012 spricht Albrecht Müller, Autor des Buches „Der falsche Präsident“, über die Defizite von Joachim Gauck und warum er ihn für ungeeignet hält, zum Bundespräsidenten gewählt zu werden. Er begründet dies u.a. an dem Freiheitsbegriff von Gauck: „Nachdenker warnt vor Gauck – Viele wissen nicht, was er denkt

„Er hat einen Freiheitbegriff, der die soziale Basis von Freiheit völlig außen vor lässt. Bei vielen Menschen hängt ihre Freiheit im Wesentlichen von ihren wirtschaftlichen Bedingungen ab. Eine alleinerziehende Frau im Niedriglohnsektor etwa muss so viele Jobs annehmen, dass sie überhaupt keine Freiheit mehr hat, irgendetwas anderes zu machen, als für die Familie zu sorgen.
[…]
Man kann einen Volksverhetzer nicht „mutig“ nennen. Es fühlen sich doch nur Leute ermuntert, die so denken wie Sarrazin.
[..]
Er redet ja von „Besitzstandswahrern“ oder von Leuten, die in der „Hängematte“ liegen. Das sind doch politische Aussagen. Ist es etwa unpolitisch zu sagen, er hätte im Libyen-Krieg mitgemacht?“

Kurz zusammengefaßt skizziert Martin Krauss auf juedische-allgemeine.de am 23.02.2012 stichwortartig die Kritk an der „Symbolfigur“ Joachim Gauck (der gern andere „anleite“), von Gewerkschaften, der Linkspartei, Migrantenverbänden, vereinzelt aus Reihen der Grünen, die ihn nominiert haben, und aus dem Osten der Republik. Kurz erwähnt wird auch das Lob aus der rechten Ecke, z.B. wegen Gaucks Äußerung zur Oder-Neiße-Grenze:

„Joachim Gauck sieht sich gerne als Lehrer. Die Vorstellung, er leite andere Menschen an, findet sich oft, wenn es um den künftigen Bundespräsidenten geht. »Reisender Politiklehrer« hat Gauck sich jüngst selbst genannt,…
[…]
Ein Linker ist Gauck nicht, und die FAZ notiert, Grüne und SPD »werden noch zu spüren bekommen, dass Gaucks urbi et orbi vorgetragener Lobgesang auf die Freiheit eben keine Ode an die Gleichheit ist«.
[…]
So erfährt Gauck nun ein Lob durch rechte Kreise. Die »Junge Freiheit« etwa freut sich: »Wir werden mit ihm positive Überraschungen erleben.«“

Eine polemische Replik von Robert von Seeve auf die Demagogie und Diffamierung einer fast Allparteienkoalition und der Mainstream-Medien an Internet-Kritiker_innen, die es wagen, sich gegen Joachim Gauck als Bundespräsidenten zu stellen, unter dem Titel „Lengsfeld und die demagogischen Versatzstücke“ auf Publikative.org vom 25.02.2012:

„In der Gauck-Gemeinde scheinen alle Alarmglocken zu läuten. Eine merkwürdige Allianz aus evangelischer Kirche, Achse des Guten, Grünen und Junge Freiheit unter der Führung von Vera Lengsfeld und Jürgen Trittin, attackierte Kritiker mit entschlossener Demagogie (1). Kritik an dem ostdeutschen Ex-Pfarrer wird – vollkommen ohne ideologische Scheuklappen – als fast Stasi-ähnliche Machenschaft enttarnt: …“

Nachtrag: Der Begriff der Gemeinde ist natürlich trefflich gewählt, auch in seiner Metaebene!

Unter dem Titel „Der wissentlich falsch etikettierte Gauck“ kommentiert politblogger.eu am 25.02.2012 die Etikettierung von Joachim Gauck als „Freiheitskämpfer“ (Stern) oder gar „Freiheitsapostel“ (Süddeutsche Zeitung“) und zitiert dazu auch Gerhard Rein, der im WDR-Hörfunkmagazin Politikum am 21. Februar zur Rolle von Gauck in der DDR-Bürgerrechtsbewegung Stellung genommen hat:

„Freiheitskämpfer … Freiheitsapostel. Das sind nur zwei der vielen Nebentitel, die sich Joachim Gauck in diesen Tagen bereitwillig verleihen lässt. Doch womit hat der Bundespräsident in spe das eigentlich verdient? Hat er es überhaupt verdient?
Um die Antwort vorweg zu nehmen: Nein. In DDR tauchte er in der Bürgerrechtsszene erst auf, als der Zusammenbruch der ostdeutschen Diktatur bereits unmittelbar bevor stand: im Oktober 1989.
[…]
‚Zur DDR-Opposition hat Gauck niemals gehört. Er trat auch nicht in den systemkritischen Friedens- und Umweltgruppen im Umfeld der Evangelischen Kirchen je in Erscheinung. In den Publikationen, die in der DDR von kritischen Gruppen illegal herausgegeben wurden, taucht der Name Gauck als Verfasser nicht auf.
Joachim Gauck hat sich im Oktober 1989 in Rostock dem ‘Neuen Forum’ angeschlossen. Vorher ist ein politischen Engagement gegen den repressiven Staat nicht auszumachen.‘
[Gerhard Rein]“

siehe auch: Joachim Gauck: Ein Bürgerrechtler oder gar Widerstandskämpfer?

Über den Freiheitsbegriff von Joachim Gauck und dessen Anlehnung an Helmuth Plessner schreibt Christian Geyer in der F.A.Z. (20.02.2012) unter dem Titel “Bürgerliche Ermächtigung”, ausgehend von einem Interview, das Gauck dem dm-Kundenmagazin “alverde” im Januar 2012 gegeben hatte:

“… die Botschaft von Freiheit und Verantwortung -, sei heute eine neoliberale Ermächtigungsfloskel, eine Apologie des „Finanzkapitalismus“, wie Gesine Lötzsch gestern noch einmal erklärte.”